Mobilitätserziehung
Vermittlung von Mobilitätskompetenz durch die Polizei
Jeder
ist im Straßenverkehr für sich selbst und natürlich auch für die
anderen Verkehrsteilnehmer verantwortlich. Mobilitätskompetenz,
Mobilitätserziehung, Verkehrserziehung und Verkehrsaufklärung sind für
den
Bereich der
Polizei durch Erlasse und Verordnungen geregelt wie zum Beispiel den
Präventionserlass oder den Verkehrsunfallbekämpfungserlass. Benutzt man
die Begriffe Sicherheitsverantwortlichkeit, Umweltverantwortlichkeit,
Sozialverantwortlichkeit und Gesundheitsverantwortlichkeit,
so
erkennen wir in ihnen einen sehr hohen Stellenwert des Umgangs
miteinander. Die Aufgaben der Verkehrserziehung und Verkehrsaufklärung
richten sich in erster Linie an die Verkehrssicherheitsberater der
Polizeibehörden. In diesem Artikel werden nur einige im Rahmen
entsprechender Vorbeugungsmaßnahmen durch die Polizei durchgeführte
Projekte, Aktionen und Veranstaltungen für die nachfolgend aufgeführten
Zielgruppen in Kurzform aufgelistet. Die unabhängig von solchen
Aktivitäten ebenfalls sehr wichtigen repressiven Maßnahmen der Polizei
werden hier nicht beschrieben.
Verkehrsunfälle
Ein
Verkehrsunfall ist, zumindest für einen Unfallbeteiligten, ein
unvorhergesehenes plötzliches Ereignis, das im ursächlichen
Zusammenhang mit dem Straßenverkehr und seinen typischen Gefahren steht und einen Sach- und/oder Personenschaden
zur Folge hat, der nicht völlig belanglos ist. Im Jahr 2007 wurden auf
Deutschlands Straßen 4.949 Personen getötet und 431.419 verletzt.[1]
Sicherheit im Straßenverkehr
Erhöhte
Sicherheit im Straßenverkehr ist schlechthin das oberste Ziel der
polizeilichen Verkehrssicherheitsarbeit. Verkehrsunfälle müssen
verhindert oder reduziert werden.
Projekte, Aktionen und Veranstaltungen
Die
Projekte, Aktionen und Veranstaltungen der Polizei und auch diejenigen
von anderen Trägern der Verkehrssicherheitsarbeit sollen hier in
Kurzform aufgezeigt werden. Die Polizei kann Initiator sein oder aber
auch nur als Mitorganisator von Projekten, Aktionen und Veranstaltungen
auftreten. Da nach den geltenden Bestimmungen das Thema „Sponsoring“
bei polizeilichen Aktivitäten möglicherweise zu einem zum Problem
werden kann, ist es bei den hier aufgeführten Maßnahmen nicht
vorgesehen und wird somit in deren Darstellung der Aktivitäten auch
nicht bewertet.
- Benennung der Zielgruppe
- Formulierung der Problembeschreibung, untermauert mit statistischem Zahlenmaterial
- Art und Umfang und Inhalt Maßnahme
- Benennung des angestrebten Zieles
- Personaleinsatz und Zeitrahmen
- Projektverantwortliche und -teilnehmer
- Kooperationspartner (intern und extern)
- Konzept mit Methode und Inhalt
- Benötigte Materialien, Medien, technische Hilfsmittel und sonstige Ausstattung
- Kosten und Personalstunden
- Notwenige Gesprächs- und/oder Ortstermine
- Nachbereitung der Aktion
- Gesamtergebnis mit "Kennzahlen"
- Pressearbeit
- "Verteiler", an die Informationen gesteuert werden müssen
- Aktenzeichen/Produktnummer der Aktion -.
Werdende Eltern
Werdende
Mütter und Väter in den Schwangerschaftskursen der Krankenhäuser,
erhalten Informationen zum Thema "Kinder als Mitfahrer", in denen die
gesetzlichen Bestimmungen sowie Tipps für in diesem Zusammenhang
aufkommende Fragen aufgeführt sind (Welcher Kindersitz ist der Richtige
für mein Kind? Wie handhabe ich diesen korrekt?).
Kinder, Eltern und Erzieher im Kindergarten
Im Kindergarten[2]
wird den Eltern und Erziehern aufgezeigt, was Kinder in diesem Alter
können oder auch aufgrund ihres Entwicklungsstandes noch nicht können
und was dementsprechend mit ihnen im Schonraum oder in der
Verkehrswirklichkeit geübt werden kann. Mit den Kindern als Fußgängern
werden das Überqueren der Fahrbahn an gesicherter und ungesicherter
Stelle sowie der zukünftige Schulweg geübt. Als Radfahrer werden
motorische Übungen im Schonraum durchgeführt. Die richtige Handhabung
der Kindersitze und das Ein- und Aussteigen zur Fahrbahn abgewandten
Seite sind wichtige Bausteine zum Thema "Kinder als Mitfahrer".
Das Verkehrspuppenspiel der Verkehrspuppenbühne ist die Basis der polizeilichen Arbeit im Vorschulbereich.
Schüler, Eltern und Lehrer in der Grundschule[3] (Klasse 1 - 4).
In
einer Elterninformation bekommen die Erziehungsberechtigten Tipps zum
neuen Schulweg. Das Heranführen der Schüler an das Radfahren beginnt im
2. Schuljahr; die Radfahrausbildung im 4. Schuljahr schließt mit einer
fahrpraktischen Lernzielkontrolle[4]
ab. Weitere Aktionen können die "Blinki Aktion" (In der dunklen
Jahreszeit werden Sicherheitsreflektoren in Form lustiger Tiermotive von
Schülern an der Oberbekleidung getragen, damit sie von den Autofahrern
besser erkannt werden.) oder "Walking Bus" (Schulanfänger kommen
gemeinsam als Fußgänger zur Schule.) sein. In der Grundschule ist es
noch möglich, die Eltern in die Verkehrssicherheitsarbeit mit
einzubinden, was dann erfahrungsgemäß in der weiterführenden Schule so
gut wie unmöglich ist.
Schüler der Sekundarstufe I (Klasse 5 – 10)
Mit
den Schülern der 5. Klasse wird der "neue" Schulweg besprochen und
geübt. Die Kinder sind jetzt nicht nur Fußgänger, sondern sie kommen
nun auch vermehrt mit dem Fahrrad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln
zur Schule. Eine erneute Radfahrausbildung mit abschließender
Radfahrprüfung wird in Klasse sechs durchgeführt.
Ein
Mofakurs oder Mofaseminar kann in der 9. Klasse angeboten werden.
Schulungsraum sind der Schulhof oder die stationäre
Jugendverkehrsschule. Schülern der 10. Klasse werden die rechtlichen
Voraussetzungen für das "Begleitende Fahren ab 17 Jahre" vermittelt,
Neunt- und Zehntklässlern werden die rechtlichen Voraussetzungen und
die Folgen der widerrechtlichen Nutzung von Pocketbikes,
Elektroscootern und Quads aufgezeigt. Die Themen „Technische
Veränderungen an Fahrzeugen“ und „Gefahren der Manipulation“ sollten in
einer Folgeveranstaltung angeboten werden.
Jugendliche im Alter von 15 bis 17 Jahren
In
Jugendheimen oder Jugendtreffs, also außerhalb der Schule, muss der
Kontakt mit den Jugendlichen hergestellt werden. Bei dieser Zielgruppe
sollten Themen rund um das Fahrrad, Mofa und Motorroller präsentiert
werden. Hier ist zu bedenken, dass die dann durchgeführten Projekte,
Aktionen und Veranstaltungen in der Freizeit der Jugendlichen
stattfinden, also nicht während der Schulzeit oder in der Arbeitszeit;
diese Tatsache macht es schwerer, die Zielgruppe zu erreichen.
Schüler der Sekundarstufe II (Klasse 11 – 13)
Die
Schüler der Klasse 13 diskutieren über die Frage: "Hat sich der
Führerschein auf Probe bewährt"? Die Unterstützung der Initiative
"don´t drug + drive" für mehr Sicherheit auf Deutschlands Straßen, ist
ein fertiges Programm für die Schüler der 11. Klasse.
Junge Erwachsene im Alter von 18 – 24 Jahren
In
den Ausbildungsbetrieben und den Fahrschulen erreichen wir die jungen
Erwachsenen mit den Vortragsthemen "Alkohol und Drogen im
Straßenverkehr" und "Frust, Stress und Aggression im Straßenverkehr".
Das Zeigen von "Schockvideos"[5],
eingebunden in ein besonderes pädagogisches Konzept, ist für die
jungen Leute eine stark emotionale Veranstaltung. Es gibt aber auch
Arbeitgeber, die für ihre Auszubildenden „Fahrsicherheitstrainings“
unter Beteiligung polizeilicher Fachkräfte für Autofahrer und
Motorradfahrer organisieren und dadurch einen wertvollen Beitrag zur
Verkehrssicherheit leisten.
Erwachsene
Bei
Verkehrssicherheitsaktionen werden die Gefahren des Straßenverkehrs
dargestellt. Veranstalter können Banken, Versicherungen, Betriebe und
Behörden sein, die diese Projekte für ihre Mitarbeiter anbieten. Hier
werden die Themen "Drogen und Medikamente im Straßenverkehr" und
"Suchtprobleme am Arbeitsplatz" behandelt. Als eine Art Auffrischung
sind hier die Sicherheitstrainings für Autofahrer und Motorradfahrer zu
sehen. Besonders eindrucksvoll ist der Einsatz des Gurtschlittens,
eines Fahrsimulators als Auto oder Motorrad und eines
„Überschlagsimulators“. Bei Verkehrskontrollen werden den angehaltenen
Verkehrsteilnehmern "Schockvideos" gezeigt, um so die Gefahren des
Straßenverkehrs drastisch aufzuzeigen. Darüber hinaus bestehen
Einflussmöglichkeiten auf die Zielgruppe der Erwachsenen auch in ihrer
Elternfunktion in den Kindergärten und den Schulen.
Menschen mit Handicap
Mobilität
hat für diese Menschen eine hohe Priorität. Die Teilnahme am
Straßenverkehr stärkt ihr Selbstvertrauen und ihre Leistungsfähigkeit.
In den Werkstätten für Behinderte finden wir die Zielgruppen der
Fußgänger, Radfahrer und Benutzer des ÖPNV[6].
Übungen in der Verkehrswirklichkeit bringen hier den größten Nutzen.
Das Training darf aber nur in kleinen Gruppen und nur in enger
Kooperation mit dem Fachpersonal der jeweiligen Einrichtung erfolgen.
Senioren
In
Senioreneinrichtungen, Seniorenklubs und Seniorentreffs kommen wir mit
den Senioren ins Gespräch. Hier finden sich die Zielgruppen der
betagten Fußgänger, Radfahrer, Benutzer von Bussen und Bahnen sowie der
aktiven Kraftfahrzeugführer. Dem Fußgänger muss das Verhalten an
ungesicherten wie auch an gesicherten Stellen verdeutlicht werden. Für
den Radfahrer stehen die Radwegbenutzung, das sichere Linksabbiegen und
das Helmtragen als wichtiges Ziel im Vordergrund. Die verminderte
Leistungsfähigkeit als Kraftfahrzeugführer ist besonders hervor zu
heben. Gerade hier bieten sich Veranstaltungen mit Ärzten oder Optikern
an, die über die altersbedingten Mängel und Schwächen aufklären. Die
Auswirkung von Medikamenten oder die nachlassende Sehleistung sind
vorherrschende Aufklärungsthemen.
Auch
die durch die Automobilhersteller angebotenen Ausstattungen können oft
auf ihre seniorengerechte Funktionalität bewertet werden.
Fahren
in Bus und Straßenbahn, das heißt die Planung und Durchführung einer
Bus- oder Straßenbahnfahrt muss nach lebenslanger Autonutzung oft erst
wieder erlernt werden. Die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel ist nun
einmal die sicherste Form der Verkehrsteilnahme und sollte deshalb
(nicht nur) von Senioren viel mehr genutzt werden. Eine Busfahrt zu
Unfallbrennpunkten ist eine Präsentation vor Ort. Dabei kann in sehr
anschaulicher und interessanter Form das Wissen rund um die Gefahren
des Straßenverkehrs unterhaltsam aufgefrischt werden. Senioren sollen
Ängste vor dem Straßenverkehr abbauen, sich ihrer Vorbildfunktion
bewusst sein und sich in kritischen Situationen richtig verhalten.
Fazit
Die
Polizei muss nicht bei allen Projekten, Aktionen und Veranstaltungen
der Organisator sein. Denn wenn man externe Kooperationspartner
aktivieren und sie „mit ins Boot nehmen kann“, ist das kostengünstiger
und bringt dasselbe Ergebnis für die angestrebten Ziele in der
Verkehrssicherheit. Derartige Mitverantwortliche sind zum Beispiel alle
Mitglieder des DVR[7].
Es
müssen auch nicht immer neue Projekte für die schon vorhandenen
Zielgruppen erfunden und erdacht werden. Lieber sollten die vorhandenen
Ideen öfter durchgeführt werden, um eine breitere Fläche damit
versorgen zu können. Einmalaktionen, die dann pressewirksam verkauft
werden, sind in vielen Fällen auf Dauer weniger wirksam. Erst die
kontinuierliche Verkehrssicherheitsarbeit vor Ort bringt den nötigen
und gewünschten Erfolg.
In den Schulen sollte sich die Polizei an allen angebotenen Verkehrserziehungsprojekten beteiligen.
Bei
all den aufgezeigten Projekten, Aktionen und Veranstaltungen darf aber
die Forderung nach einer für alle Verkehrsteilnehmer gerechten
Verkehrsraumgestaltung nicht außer Acht gelassen werden!
Ausblick
Die
hier aufgelisteten Punkte können und sollen nur einen groben Überblick
über die verschiedenen Zielgruppen und die damit verbundenen Maßnahmen
der Verkehrssicherheit geben. Es ist beabsichtigt, in den folgenden
Ausgaben dieser Zeitschrift auf die meisten der genannten Komplexe
detailliert und umfangreich einzugehen.
[1] Statistisches Bundesamt Deutschland
[5] Konfrontierende Stilmittel
[6] Öffentlicher Personen Nahverkehr
[7] Deutscher Verkehrssicherheitsrat e.V.